Wie die Jugend der UdSSR Kapitalismus übte

In den Umbruchzeiten des Übergangs von einer staatskapitalistischen (=kommunistischen) zu einer privatkapitalistischen Welt trug sich in den Weiten Rußlands folgendes zu:

In einem straff organisierten Jugend-Gulag wurde für alle jugendlichen Lagerinsassen verbindlich das „Wirtschaftsspiel“ eingeführt.

Professionell begleitet wurde dieses Realitäts-Spiel von der Moskauer Staatsuniversität, ein Student der Wirtschaftswissenschaften leitete -fachkundig beraten von Professoren der Wirtschaftswissenschaften- die Zentralbank des Lagers.

Dieser VWL-Student, Andrei Kamin, ist inzwischen nach diesem Lehrspiel in der Finanzwelt als Wirtschaftswissenschaftler steil aufgestiegen und leitet als Chief Executive Officer die Sberbank, die größte Bank Osteuropas, die mit genau 1,3 Millionen Kunden und genau 235.000 Mitarbeitern genau 32% der Kredite an Geschäftskunden geben.

Interessanterweise suchten die Geschäftstüchtigen unter den Mitspielern als Erstes ratzfatz Monopole aufzubauen, um leistungslos die Mitmenschen auszubeuten.

Entnommen aus: Matthew Brzezinski „Kasino Moskau“.

Kasino Moskau

Zitat:
Inwieweit Kapitalismus und Mafia tatsächlich Zwillinge sind, zeigte sich am besten in einem Ausbildungslager, welches in der Frühphase der Freien Marktwirtschaft Rußlands seine Pforten öffnete.

Pionierlager dienten während des UdSSR-Systems dazu, der Jugend die Staatsordnung des Kommunismus nahezubringen.

Jetzt führten auch die neuen russischen Mafia-Bosse, oder Oligarchen, von den ersten Tagen der Mafia-Revolution an solche Lager durch, um den Nachwuchs mit der Ideologie des Freien Marktes zu indoktrinieren.

Zhanna Nikolaevna, die Lagerverwalterin, gehört zu den professionellen Einpeitscherinnen. Sie war das zuerst unter den Kommunisten und tat es nun für die Kapitalisten, denn Job ist Job.

Sie dachte sich mit einigen Leuten an der Moskauer Staatsuniversität das „Wirtschaftsspiel“ aus.

Nach diesem Spiel sollten im Lager Zustände wie in einer westlichen Stadt durchgespielt werden.

„Es ist wie in New York. Wenn Du nicht arbeitest, bekommst Du auch nichts zu essen, sagte die Lagerverwalterin mit dem Zynismus einer Frau, die wenig überzeugt war, daß Kapitalismus die Rettung für ihr Land bedeute“, schrieb Brzezinski, der den Verlauf des Wirtschaftsspiels beobachten durfte.

Die Jugendlichen wurden in der Lagerwährung, ECU, bezahlt, mit der man in der Cafeteria einkaufen konnte.


Andrei Kamin

Andrei Kamin, ein Ökonomiestudent der Moskauer Staatsuniversität spielte die Rolle der Zentralbank.

Nikolaevna spielte den Bürgermeister und die ältesten wurden als Polizei eingeteilt.

Die Jugendlichen erhielten für allerlei Aktivitäten wie Abspülen, Saubermachen usw. Geld.

Sie konnten dieses Geld für Süßigkeiten oder für das Lagerkino ausgeben.

Der Zweite Tag

Schon am 2. Tag stellte der „Zentralbankier“ fest, daß mehr Geld in Umlauf war, als ursprünglich gedruckt worden ist. Er fand heraus, daß einige der Jugendlichen sich eine Druckerpresse beschafft hatten und das Lagergeld nachdruckten, um mehr Bonbons etc. kaufen zu können.

Als die älteren Lagerteilnehmer mit der Polizei auftauchten, bestachen die Falschmünzer die Polizei mit Bonbons und Schokolade und die Polizei schloß sich ihnen an. Die „Falschmünzer-Mafia“ begann nun, andere Lagerteilnehmer anzumachen und verlangte Strafgelder für allerlei Vergehen wie Gotteslästerung – jeweils entweder fünfzig ECU oder zwei Waffeln.

Die Zentralbank muß plötzlich Geld nachschießen
Eine Gruppe übereifriger Görenkapitalisten stürmte die Zentralbank und machte sich bei dem entstehenden Handgemenge mit dem Lagergeld für die Gehaltszahlungen davon.

Die Zentralbank war nun gezwungen, mehr ECU zu drucken, was zu Inflation und höheren Preisen für Süßigkeiten und dergleichen führte.

Einer der kapitalistischen Jugendlichen stellte vier Jungen ein, um gemeinsam eine Brücke in Ordnung zu bringen. Er strich das vertraglich geregelte Entgelt für die Arbeitsleistung ein, doch die Brücke brach bald darauf ein.

Er kaufte mit seinem verdientem Geld alle beliebten Videospiele im Lager auf und akzeptierte nur Schokolade als Entgelt für das Ausleihen.

Sein Umsatz wuchs gewaltig und er stellte vier große Jungen ein, um sein Geschäft zu schützen. Es kam dabei bald zu Handgreiflichkeiten.

Der Dritte Tag
Am 3. Spieltag gab es einen aufsehenerregenden Bankrott.

Ein Lagerjugendlicher kaufte alle Rechte auf Schlafplätze und wollte am Abend von den Jugendlichen Miete für den Schlafplatz kassieren.

Diese zahlten aber keine Miete, sondern versuchten sich durch die Fenster in die Schlafräume zu stehlen.

Der Vertragsinhaber für die Schlafräume konnte für die erworbenen Rechte nicht bezahlen und ging bankrott.

Der Vierte Tag
Am 4. Tag berief die Lagerverwaltung (der Bürgermeister) eine Versammlung ein, um wieder Gesetz und Ordnung herzustellen.

Als sie vorschlug, die bestechlichen Politzisten zu entlassen, inszenierten diese einen Staatsstreich. Hiermit endete das Spiel.

Was wurde aus dem Experiment gelernt?

Die Jugendlichen lernten mit den Worten eines Teilnehmers bei dem Spiel nur das eine: „Es gibt kein höheres Gesetz als Geld.“

Zitat aus Abdulhay Y. Zalloum „Das neue Feindbild Islam – Globalisierung und Kapitalismus in der Krise“ Beim Propheten Verlag, München, 2003

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