Gengki-Koukan und Wakuwakus

Japan, das bekanntlich schon seit Jahren unter Deflation leidet, hat interessante Geldsysteme entwickelt.

Das WAT – System

WAT ist das geistige Kind von Eiichi Morino, dem Vorstand der Gesell-Forschungsgesellschaft Japan. Es wurde im August 2000 ins Leben gerufen.

Die Verrechnungseinheit WAT entspricht einer Kilowattstunde Strom, der von Bürgerkooperativen mithilfe „sauberer“ Energieformen (Wind, Wasser, Sonne) erzeugt werden. Ein WAT ist etwa 75 bis 100 Yen wert, was zirka 60 bis 90 cent entspricht.

In menschliche Arbeit umgerechnet, fallen dafür etwa sechs Minuten leichter Arbeit an. Das Zahlungsmittel ist ein Stück Papier, eine Art „Wechsel“, wie er in Japan zu mancherlei Anlässen benutzt wird.

So ein Wat-Ticket wird häufig von Unternehmen gedruckt, welche darauf Werbung machen. Sein Empfänger kann es anderen Menschen in Zahlung geben, sodass es zirkuliert, bis es am Ende zum Aussteller zurückkehrt. Dieser liefert dafür Güter und Dienstleistungen im Wert des Tickets und macht es in der Folge unbrauchbar.

Es gibt kein zentrales Büro und keinen Koordinator, damit auch keine zentrale Kontrolle über das System. So entfällt auch die Mitglieds- oder Verwaltungsgebühr. Der Verein der WAT-Freunde gibt nur eine Mitgliedszeitschrift heraus und sorgt für die Ausgabe der WAT-Tickets.

Man kann die entsprechenden Formulare kostenlos von der Webseite des WAT-Vereins herungerladen. Einige Firmen übernehmen die Druckkosten für WAT-Tickets, wenn sie dafür auf dem abtrennbaren Abschnitt Werbung machen dürften. Verschiedene Unternehmen haben sich zu Gruppen zusammengeschlossen, um ein gemeinsames Ticket herauszugeben.

Sogar Einzelpersonen haben das Recht, ihre eigenen WAT-Tickets auszugeben. Ob diese akzeptiert werden, hängt vom Vertrauen ab, das man den ausgebenden Stellen entgegenbringt, und damit letztlich von deren guten Ruf – wie bei den ebay-Auktionen. … Das System breitet sich in Japan rasch aus, aufgrund seiner dezentralen Natur aber weiß niemand genau, wie viele Nutzer dieses Modell mittlerweile hat.

WAT-Tickets gehören zu den kostengünstigsten Methoden der Geldschöpfung. Außerdem haben sie den Vorteil, dass sie unter den Teilnehmern sozusagen „Vertrauenskreise“ schaffen und erhalten.

Das Gengki-Koukan-System

Das Gengki-Koukan-System in der Präfektur Yamanashi ermöglicht jedem Teilnehmer, seine eigene Unternehmenswährung herauszugeben wie beim WAT-Modell. Zusätzlich jedoch gibt es eine zentrale Verrechnungsstelle, die den lokalen Markt der ausgegebenen Tickets organisiert.

Über andere lokale Währungen in Japan wie den Garu, den Kurin, die Peanuts, den Como, der Yatsugatake-Daifukucho, die LETS Chita, die Ohmi, der Wakuwaku, der Dandan und Yufu lässt sich in Kennedy/Lietaers Buch nachlesen.

Quelle: Margrit Kennedy – Bernard A. Lietaer Regionalwährungen – Neue Wege zu nachhaltigem Wohlstand, Riemann Verlag, München, 2004, S. 183 ff

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