Nicolaus Cusanus (Nikolaus von Kues) und das Geldsystem

Geld und Begriffskunst bei Nicolaus Cusanus (1401-1464)

Erläuterungen zu einem bisher unveröffentlichten Cusanischen Fragment

Ulli Roth
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Raimundus-Lullus-Institut

Nicolaus Cusanus, den herausragenden Philosophen, Theologen, Mathematiker und Kirchenmann des 15. Jahrhunderts aus dem unscheinbaren Moselörtchen Bernkastel-Kues, mit dem schnöden Mammon in Verbindung zu bringen, soll nicht dazu dienen, ihm effekthascherisch nach Jahrhunderten einen Finanzskandal anzudichten. Mit dieser Art Unterhaltung versorgt uns unsere eigene Gegenwart mehr als genug. Außerdem weiß man, daß Cusanus trotz aller Schwierigkeiten, mit denen der Sohn eines Moselhändlers bei der Führung seines Erzbistums Brixens zu kämpfen hatte, dessen Finanzen konsolidieren konnte. Auch sonst hat sich der Ruf seiner Bescheidenheit bis heute bewahrt.


Nikolaus von Kues

Es soll vielmehr an dieser Stelle ein Fragment des Cusanus erschlossen werden, ein Gedankenfragment, das wie ein Brennpunkt zentrale Gedankenlinien des Cusaners versammelt. Es soll dabei auch gezeigt werden, wie und warum das Geld in seinem philosophisch-theologischen Denken immer wieder vorkommt. En miniature zeigt sich dabei, wie das Cusanische Denken in den Lehren der Schulphilosophie und Schultheologie – sei’s der via antiqua, sei’s der via moderna – keine Grundlage mehr finden kann. Es holt sich dagegen die Anregungen aus den vielfältigsten Bereichen des alltäglichen Lebens, um sie in produktiver Weise weiterzugestalten. Erst in diesem Gestalten und Formen des Gedachten ist der menschliche Geist ein lebendiges Abbild (viva imago) des schöpferischen Gottes.[1] Gott nachzuahmen, die Bestimmung des Menschen im christlichen Denken des Mittelalters, hat bei Cusanus, der immer wieder gerade die Schöpfermacht Gottes reflektiert, einen schöpferischen Aspekt, auch wenn sich dieser nicht in Werken der schönen Künste oder umfassenden Kunsttheorien äußert, sondern in geistigen Kunstwerken – in Begriffserfindungen wie possest oder non-aliud, der mystische Deutung eines ungewöhnlichen Bildes in De visione dei, der Erfindung eines philosophischen Spiels in De ludo globi, in der einzigartigen Verknüpfung von Mathematik und Theologie in De docta ignorantia sowie seinen mathematischen Schriften[2] oder den unzähligen Versuche, durch Umdeuten bekannter Bilder und Sachverhalte seine Spekulationen verständlich zu machen. Hierzu gehören der Löffelschnitzer aus Idiota de mente, das immer wieder, vor allem den Predigten bearbeitete Beispiel des Magneten – und auch das des Geldes, insbesondere des Denars (denarius).

Cusanus schöpferisches Denken, seine Kunst oder ars hat meines Erachtens zwei Seiten. Einerseits vertieft er die durch die via moderna entstandenen Erschütterung der Wissenschaften Theologie und Philosophie. Diese führt er dadurch weiter, daß die oberste Wissenschaft Theologie selbst zur ars wird. Das Absolute ist nicht adäquat erkennbar, und wir müssen uns mit der Unwissenheit (ignorantia)bescheiden, d. h. wir können keine auf absolut gewissen Prinzipien gegründete Wissenschaft (scientia), sondern nur eine bestimmten Regeln (z. B. regula doctae ignorantiae) folgende Kunst (ars)entwickeln – deren geistige Einsichten aber nicht weniger herrlich sind. Andererseits nimmt er sich der für die via moderna zentralen Besinnung auf die Macht Gottes (potentia absoluta) an, doch nun in der Weise, daß sie ihn zu höchsten Aufschwüngen der Spekulation ermutigt, statt diese abzuschneiden. Er macht also aus der Not eine Tugend, so daß sich die Unwissenheit zur glücklichen docta ignorantia weiterbestimmt – einer „Begriffskunst“, die auch vor den geoffenbarten Glaubensartikeln nicht haltzumachen braucht.[3]

Beispiele dieser Cusanischen „Begriffskunst“ kommen auch aus dem Bereich des Geldwesens, etwa die Deutung von Münzen wie dem denarius. Auf den Denar kommt Cusanus in den Predigten öfters zu sprechen. Es gibt eine Predigt, Sermo CCXLIX (245, p II, fol. 148r-149v) von 1456, über das Streitgespräch Jesu, ob es richtig sei, dem Kaiser Steuern zu bezahlen (s. Mt 22,19ff.). Darin wird der Denar in vielen Bildern ausgedeutet, allerdings in Weiterführung des biblischen Gleichnisses und eher tropologischer Weise, also weniger der spezifisch Cusanischen „Begriffskunst“ . In einer anderen Predigt (Sermo CXVIII (112)) wird die Münze denarius dagegen dadurch ausgezeichnet, daß in ihr das göttliche Schöpfungsprogramm, alles nach Maß, Zahl und Gewicht zu schaffen (Weisheit 11,21), fokussiert sei, da ja gerade die Einheit von Münzwert und Metall diese Münze ausmache. So formuliert Cusanus ganz knapp (ebd. p II, fol. 75v): „Denarius est complicatio potentialis numeri, ponderis et mensurae.“[4] Besonders schön entfaltet wird die „Begriffskuns“ im Bereich des Geldes aber in einer bisher unediert gebliebenen Notiz aus dem Codex Cusanus 50, folio 1r, die hier als ganze zugänglich gemacht werden soll. Aufgrund von Handschrift und Inhalt kann sie mit Sicherheit Cusanus zugeschrieben werden. Sie steht auf einem bis auf den Bibliotheksvermerk unbeschriebenen Blatt. Offensichtlich hatte Cusanus einen Einfall, der ihm so wichtig schien, daß er ihn sich unbedingt aufschreiben wollte, um ihn nicht zu vergessen.

Nicolaus Cusanus, Commentatio de notione creandi

Codex Cusanus 50, fol. 1r

(addit manus in margine sinistra) Nota. sicud (supra lineam) si homo ex clausa manu in qua nichil aliud haberet, quae vellet. numeraret/ puta si ex illa numeraret denarios. licet nullum in manu haberet/ sic deus ex clausa manu. scilicet virtute sue potencie/ omnia numerat/ et hoc numerare est creando discernere/ educit enim de manu potencie sue omnia licet ex nichilo cum nichil omnium quae numerando creantur sit in manu clausa seu virtute potencie/ campsorde manu clausa numerat denarios/ sed quos habet in ea. enumerat/ vnde nostrum numerare est post esse numerabilium/ numerare dei non est post esse. sed est ipsum essenciare seu formare/[5]

Der im Text genannte campsor ist der Geldwechsler. Andere Bezeichnungen sind nummularius, mensarius und monetarius. Allerdings unterscheidet Cusanus in der Schrift De ludo globi deutlich den monetarius als Münzmeister oder Münzpräger vom nummularius als Geldwechsler. Dieser Unterschied wird auch in obigem Fragment benutzt, auch wenn der Münzpräger nicht auftaucht. Offensichtlich verwendet Cusanus das Bild vom Geld zählenden Wechsler, um den Glaubensartikel der Schöpfung aus dem Nichts verdeutlichen zu können. Der Wechsler zählt aus seiner Hand Münzen und nimmt sie dazu aus seiner Hand heraus. Gott entnimmt aus seiner geschlossenen Hand, die Cusanus mit „virtus potentiae“, also Gottes Schöpfermacht vergleicht, alles, was geschaffen wird, aber noch nicht existiert. Mit dieser Zusammenfassung ist aber der Gedanke des Fragmentes nur erst grob erfaßt. Zwar legt auch Cusanus bei der Schlußfolgerung aus seinem Vergleich („vnde …“) den Akzent darauf, daß Gottes Tat Schöpfung aus dem Nichts ist. Sie geschieht vor allem Sein der endlichen Dinge und läßt diese erst hervorgehen, während der Wechsler seine Tätigkeit nur anhand schon existierender Münzen durchführen kann. Doch so wäre das Bild gerade keines, das unserem endlichen Denken ein Verstehen des göttlichen Schaffens erleichtern könnte. Das wäre nur erst negative Theologie, die aussagt, daß es bei Gott nicht so ist wie im Bereich des Endlichen. Damit das Bild unserem Verstehen helfen kann, braucht es einen Vergleichspunkt. Dieser mag zwar überschritten werden, doch damit wird ein Denkgehalt freigesetzt, der dann das Verstehen bereichern kann.

Worin liegt nun der Vergleichspunkt? In den ersten Zeilen baut Cusanus den Vergleich auf („sicud si homo ….“). Vier Dinge nennt Cusanus beim irdischen Geldwechsler, die als Vergleichspunkte dienen können.

(1) Einmal soll er in der Hand nur haben, was er wolle („nichil aliud haberet, quae vellet“). Hier ist natürlich an Gottes uneingeschränkten Willen gedacht. Er schafft, was er will, und nichts kann gegen seinen Willen werden oder vergehen. Dieser Punkt wird dann aber bei der Übertragung auf Gott nicht aufgegriffen.

(2) Weiter macht Cusanus die merkwürdige Gedankenkonstruktion, daß der Wechsler, obwohl er aus der Hand herauszählt, nichts in ihr haben soll („licet nullum [sc. denarium] in manu haberet“). Damit wird das menschliche Äquivalent zur Schöpfung aus dem Nichts gebildet. Eine leere Hand können wir uns vorstellen, auch daß jemand so tut, als würde er durch sein Zählen etwas aus der Hand nehmen. Doch würden wir am Verstand eines solchen Geldwechslers zweifeln, würden wir ihn bei einer solchen Tätigkeit beobachten, denn aus seiner leeren Hand kommt nichts. Dieses Detail des Bildes kann also nur ein Gedankenkonstrukt sein, Cusanus formuliert entsprechend im Irrealis.

Das Ergebnis des Bildes wäre mit diesen beiden Vergleichspunkten bescheiden. Gott schafft, was er will, aber nicht so wie wir es uns vorstellen können. Für dieses Fazit hätte Cusanus auch eine beliebige andere Tätigkeit wählen können, etwa daß jemand aus einem Faß Flüssigkeit schöpft oder ähnliches. Nun gibt Cusanus aber noch zwei weitere Vergleichspunkte an.

(3) Die dritte Vergleichsmöglichkeit steckt im Detail der geschlossenen Hand („ex manu clausa“). Cusanus übersetzt sie mit dem Verweis auf die Schöpfermacht Gottes. Wie die Hand noch nicht geöffnet ist und das in ihr Enthaltene noch nicht offen gelegt hat, also reine Möglichkeit symbolisiert, so zeigt sich auch vor Gottes Schöpfertätigkeit nicht, was ihm möglich ist, was in seiner Macht steht. Dieser Aspekt kann nun aber erst dann zur vollen Geltung kommen, wenn unserem Verstehen das göttliche Schaffen einsichtig wird, das ja das Vorher und Nachher der Schöpfung miteinander verbindet. So muß das Gewicht auf dem vierten Vergleichspunkt liegen, der vielleicht erklärt, warum Cusanus gerade das Bild des Geldwechslers eine Notiz auf einem sonst unbeschrieben gebliebenen Blatt wert gewesen ist.

(4) Die vierte Vergleichsmöglichkeit liegt in der Tätigkeit des Zählens. Das Wort „numerare“ ist das am häufigsten wiederkehrende Wort in diesem kurzen Text. Zugleich ist es das Kennzeichen des Wechslers, dessen Hauptgeschäft ja darin besteht, Kurse umzurechnen und entsprechend Geldbeträge abzuzählen und auszuzahlen. Cusanus übertragt das Zählen auf Gott mit dem Doppelausdruck „creando discernere“, also „durch Schöpfen unterscheiden“ oder „schöpfend voneinander unterscheiden“. Hatten die Vergleichspunkte (2) und (3) eher ein negatives Ergebnis für unser Verstehen der Schöpfung – Gott schafft aus dem Nichts oder seiner uns unerkennbaren Macht -, so wird im vierten Vergleichspunkt doch ein positives Moment aus dem Bild des Wechslers auf Gott übertragen. Wie das Zählen ein Unterscheiden ist, ja das Grundunterscheiden nach Cusanus[6], so ist auch das Schöpfen Gottes ein Unterscheiden. Dieses versteht er aber im Sinne von Quantität, nicht Qualität. So werden ihm auch die ewigen Ideen in Gott beziehungsweise das Urbild alles Geschaffenen zur Zahl.[7] Da für Cusanus die Zahl die Selbstexplikation des endlichen Geistes ist, in der er sich selbst im strengsten Sinne des Wortes äußert und erkennt, kann sie uns auch Gottes Schaffen, bei dem Gott aus sich hinaus wirkt (actio ad extra), indem er nur auf sich reflektiert, am besten verdeutlichen.[8] Die Verbindung von „creare“ und „numerare“ ist für Cusanus kein sinniger Einfall oder gar Zufall, sondern drückt den Kern seines Verständnisses von Gott, Geist und Welt aus. Pointiert schreibt er in De dato patris luminum 3 N. 105, h IV, S. 78 Z. 2f.: „Et hoc ipsum est creatoris creare, quod est rationis ratiocinari seu numerare.“

Der positive Sinngehalt des Unterscheidens wird aber von Cusanus sofort durch die Ergänzung „creando“ präzisiert. Während das endliche Unterscheiden etwas schon Vorliegendes unterscheidet, unterscheidet Gott im Schöpfungsakt dasjenige, was gerade erst entsteht oder genauer im göttlichen Akt des Unterscheidens entsteht. Was für unser endliches Denken mit zwei Ausdrücken erklärt werden muß, ist aus dem Gesichtspunkt der Unendlichkeit Gottes eine einzige Sache. Hier kommt also das Moment der Unendlichkeit hinzu, doch verliert dabei das Unterscheiden nicht völlig seinen Sinngehalt. Der Ausdruck „creando discernere“ ist ein Beispiel dafür, wie Cusanus, um Gottes Unendlichkeit gerecht zu werden, Affirmierendes („discernere“) und Negierendes („creando“ im Sinne „nicht schon Vorliegendes unterscheiden, sondern vorliegen lassen“) als zugleich zu Denkendes vorgibt. Für Gott muß hier ein Zusammenfall des für uns Gegensätzlichen gedacht werden (coincidentia oppositorum). Am Ende der Notiz faßt er den Sinngehalt, den er durch den Durchgang durch das Bild des Münzwechslers erschlossen hat, in die auf die Schule von Chartres oder die Albertisten verweisenden philosophischen Fachtermini „essentiare“ und „formare“. Diese haben aber nun eine für das göttliche Schaffen spezifische Bedeutung erhalten, nämliche die des „schaffenden Unterscheidens“, dessen Sinngehalt uns über das Zählen verständlich werden kann.

Der Ausdruck „essentiare“, der letztlich aus dem Neuplatonismus stammt, dient auch als Stütze für die Datierung des Fragments. Das Wort kommt zwar schon in De pace fidei von 1453 vor, gehäuft aber erst in der Zeit ab 1459, besonders aber in den Werken um das Jahr 1462.[9] In besondere Weise geht Cusanus aber in seiner späten Schrift De ludo globi von 1462 wieder auf das Bild vom Geldwechsler und Münzpräger ein.[10] Daher dürfte das Fragment circa 1462 oder kurz davor geschrieben worden sein. In De ludo globi greift Cusanus nämlich auch das Bild von Gott als allmächtigem Münzmeister auf, d. h. als Hersteller der Münzen. Ich zitiere hier ausführlich und hebe die deutlich an unser Fragment erinnernden Passagen kursiv hervor (De ludo globi II N. 115 Z. 3-9 und 17-21, h IX, S. 140f.):

„Non est absurda haec assimilatio, quando concipis deum quasiomnipotentemmonetarium, qui de sua excelsa et omnipotenti virtuteproducere potest omnem monetam. Ac si quis tantae potentiae esset quod de manu sua quamcumque vellet monetam produceret et statueret nummularium habentem in sua virtute omnium monetarum discretionem et numerandi scientiam monetandi arte tantum sibi reservata […].

Sed ars dei in infinitum vinceret artem nummularii, quia ars dei faceret esse. Ars nummularii faceret tantum cognosci.“

Bedenkt man noch, daß Cusanus hier statt von denarius allgemeiner von moneta spricht und nun wegen einer anderen Zielrichtung des Vergleiches monetarius und nummularius voneinander unterscheidet, so ist deutlich, daß diese Textpassage ganz eng mit dem Fragment in Verbindung steht. Die Sinnspitze ist hier aber weniger, uns die Schöpfung aus dem Nichts verständlich zu machen, als vielmehr das Verhältnis von schaffendem Gott (Münzmeister) und erkennendem Geist (Geldwechsler) zu veranschaulichen. Die Vernunft erst macht Gottes Schaffen offenbar, indem sie es erkennt und seinen Wert und seine Güte „schätzt“.[11] Deshalb hat hier das Unterscheiden und Zählen mehr die Bedeutung des Schätzens und Erkennens. Dennoch ist es erstaunlich, daß im Fragment wie auch in De ludo globi das Zählen, also der Bereich der Quantität, als Grundlage dafür dient, Erkenntnisse über den unendlichen Gott und den endlichen menschlichen Geist zu gewinnen und zu formulieren. Dies hängt ganz eng damit zusammen, daß für Cusanus alle Wesenheiten der Dinge dem endlichen Geist letztlich unerkennbar sind, weil er versucht, von Gott aus zu denken. Da dieser uns aber letztlich unbegreifbar bleibt, gehen auch uns angesichts seiner Unendlichkeit alle endlichen Begriffe aus. Am gewissesten scheinen noch die mathematischen Begriffe zu sein, die für Cusanus Produkte des endlichen Geistes, seine Selbstentfaltung, darstellen. Doch sind sie auch die leersten Begriffe. Aber gerade die Entleerung und das Dunkel-Werden des Denkens, z. B. in der Armut quantitativer Begriffe, läßt für Cusanus nochmals die Herrlichkeit Gottes offenbar werden. Die Aufgabe mittelalterlichen Denkens, Gottes Tun in seiner Vernünftigkeit zu loben, verschließt sich damit in sich selbst – in seiner ‘Auf-gabe’.

[1] Zitiert werden Cusanus’ Werke nach der kritischen Ausgabe Nicolai de Cusa Opera omnia iussu et auctoritate Academiae Litterarum Heidelbergensis ad codicum fidem edita, Leipzig 1932ff., Hamburg 1959ff. (= h) bzw. nach der alten Ausgabe Nicolai Cusae Cardinalis opera, hrsg. v. Jacobus Faber Stapulensis, 3 Bde., Paris 1514 (Nachdruck Frankfurt 1962) (= p). Cusanus nennt den Menschen zum ersten Mal viva imago dei in der Schrift Idiota de mente 7 N. 106 Z. 9f., h ²V, S. 38. Vgl. hierzu Bredow, Gerda von: Im Gespräch mit Nikolaus von Kues. Gesammelte Aufsätze 1948-1993, hrsg. von Schnarr, Hermann, Münster 1995, S. 99-109; Roth, Ulli: Suchende Vernunft. Der Glaubensbegriff des Nicolaus Cusanus [= Beiträge zur Geschichte der Philosophie und Theologie des Mittelalters 55], Münster 2000, S. 248-252.

[2] Wie eng Cusanus’ zahlreiche Ansätze zur Lösung des Kreisquadraturproblemes mit seinem philosophisch-theologischen Denken verknüpft sind, habe ich in einem Artikel zu zeigen versucht, auf den ich mir hier hinzuweisen erlaube, Roth, Ulli: Die Bestimmung der Mathematik bei Cusanus und Leibniz, in: Studia Leibnitiana 29 (1997) 63-80.

[3] S. hierzu meine Arbeit Suchende Vernunft (Anm. 1), besonders die Deutung von De docta ignorantia S. 15-164.

[4] In demselben Sermo CXVIII (112) kann der Denar Anlaß sein, auf die Dreifaltigkeit des Schöpfers zurückzuschließen (p II, fol. 75v): „Denarius, qui est verus denarius, secundum naturam auri incorruptibilis est a veritate quae est pater; secundum imaginem a filio omnia formante; secundum rotunditatem a spiritu sancto in sua aeternitate omnia continente.“

[5] Schreibweise und Interpunktion wurden belassen. Die Notiz hat insgesamt 9 Zeilen. Einen Verweis auf die Notiz gibt die Edition von De pace fidei 8 N. 22, h VII, S. 22 Z.9.

[6] S. Idiota de mente 5 N. 95 Z. 3-7, h ²V, S. 141: „Pariformiter dico exemplar conceptionum nostrae mentis numerum esse. Sine numero enim nihil facere potest; neque assimilatio neque notio neque discretio neque mensuratio fieret numero non existente. Res enim non possunt aliae et aliae et discretae sine numero intelligi.“ Vgl. die Gegenüberstellung von menschlichem Zählen und göttlichem Schaffen in De coniecturis I 4. Ganz entsprechend hält Cusanus 1455 in Sermo CCII (198) fest (p II, fol. 119v): „Omnis autem discretio sine qua non est iudicium numerum praesupponit. Nam sine uno et altero non est discretio. Quomodo autem est possibile unum et alterum sine numero esse? Si igitur numerus efficit discretionem, anima vivus quidam numerus dici potest de se numerum iudiciarium seu discretivum explicans.“

[7] Zur Zahl als Urbild der Dinge, nach dem Gott alles schafft, vgl. z. B. Idiota de mente 5 N. 94 Z. 12f., h ²V, S. 140: „Sic irreprehensibiliter posse dici conicio primum rerum exemplar in animo conditoris numerum esse.“ Wenn man dagegen hält, daß für mittelalterliche Theologie Gott selbst letztlich dieses Urbild ist (vgl. u. a. Thomas von Aquin, Summa Theologiae I q. 44 a. 3 corp. art.), sieht man, wie gewagt diese Formulierung ist – was Cusanus angesichts der vorsichtigen Formulierung „irreprehensibiliter posse dici conicio“ gespürt zu haben scheint.

[8] Vgl. De coniecturis I 2 N. 7 Z. 7-11, h III, S. 12: „Nec est aliud rationem numerum explicare et illo in constituendis coniecturis uti, quam rationem se ipsa uti ac in sui naturali suprema similitudine cuncta fingere, uti deus, mens infinita, in verbo coeterno rebus esse communicat.“

[9] Hier seien die Stellen mit Datierung gesammelt:1453 De pace fidei 8 N. 22, h VII, S. 22 Z.9; 1459 Tu quis es <De principio> N. 21 Z. 9, h X/2b, S. 29; 1460/1 Cribratio Alkorani II 3 N. 95 Z. 5f., h VIII, S. 78; 1462 De non aliud 24 N. 111, h XIII, S. 57 Z.10 und De venatione sapientiae 29 N. 87 Z. 12, h XII, S. 83 (vgl. die Erklärungen zu „essentiare“ ebd. S. 159f., Anm. 15).

[10] Vgl. hierzu Flasch, Kurt: Nikolaus von Kues. Geschichte einer Entwicklung, Frankfurt 1998, S. 576-602, bes. 600-602.

[11] S. De ludo globi II N. 115 9-12, h IX, S. 141: „[…] nummularius ille nobilitatem monetarum et valorem, numerum, pondus et mensuram, quam a deo moneta haberet, patefaceret, ut pretium ipsius monetae et valor atque per hoc potentia monetarii nota fieret […].“ Vgl. die knappe Gegenüberstellung in Tu quis es <De principio> N. 21 Z. 9, h X/2b, S. 29: „Conditor est essentians, assimilator intelligens.“

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