Jungfrau von Melun oder Die weibliche Brust und das Geld

Der Gedanke, dass die weibliche Brust mit unserem Geld zu tun haben soll, ist doch eigentlich ungeheuerlich und vielleicht einfach schön. Ich mag mich damit nicht so ohne weiteres anfreunden.

Andererseites: Haben wir nicht schon gehört von: Sex, Politik und Geld? Wie mögen da die Zusammenhänge sein?

Vom Normalen zum Heiligen
Von der Erotik zum Kommerz

Im Hochmittelalter war die weibliche Brust etwas „Normales“. Sie wurde weder stärker verborgen noch offensichtlicher gezeigt als die männliche Brust.

Im Italien des 14. Jahrhunderts wurde die „heilige Brust“ in Form der zahlreichen Bildnisse der „Madonna del Latte“ erfunden (italienisch latte = Milch), auf denen die Jungfrau Maria beim Stillen gezeigt wurde und ihre Brust dem Kind darbot. Dabei handelte es sich jedoch nur um eine Übergangsphase.

Im Verlauf des 15. Jahrhunderts geriet die symbolische Rolle der Brust – trotz der heldenhaften Bemühungen des Klerus – mit einer neuen Rolle in Konflikt und trat ihr gegenüber zurück:

die Brust als Lustobjekt.

Das blieb sie praktisch bis heute. In dieser Rolle wurde die verführerische Brust schon bald „kommerzialisiert“. Sie wurde Verkaufsanreiz (in erster Linie für Männer) für praktisch alles benutzt: von Revolutionen (z.B. die Marianne, die bis heute die französische Revolution symbolisiert) über Kriegsanleihen, Bier, Jeanshosen bis zu Autos.

Marilyn Yalom faßt diesen Reprogrammierungsprozeß zusammen:

„In Kunst und Literatur gehörte die Brust in zunehmenden Maße weniger dem Kind oder der Kirche und mehr den Männern der weltlichen Macht, die die Brust nur als Lustobjekt betrachteten.“

Das Gemälde des Hofmalers Jean Fouquet, das Agnès Sorel zeigt, die 20jährige Mätresse Karls VII. von Frankreich, verdeutlicht diesen wichtigen Bedeutungswandel vom Heiligen zur Erotik.

Anne Hollander zufolge steht dieses Gemälde für den Moment, in dem die nackte Brust zu einem „erotischen Signal in der Kunst“ wurde.

Agnès Sorel war die erste „offizielle Mätresse“ eines französischen Königs. „Agnès wurde mit Schlössern, Juwelen und anderen Luxusgütern belohnt, die den Favorittinnen der Könige bis dahin vorenthalten geblieben waren.

Sie erhielt im Jahr die beträchtliche Summe von 300 Pfund, trug die kostspieligsten Kleider des Königsreichs und besaß ein größeres Gefolge als die Königin … Agnès war die erste königliche Mätresse, die aus Liebesdiensten den vollen Gewinn zog.“

Diese neue Definition der Brust fiel mit einer neuen Epoche in der französischen Geschichte zusammen. Offiziell und in aller Deutlichkeit bestand eine direkte Verbindung zwischen Sex, Politik und Geld.

Agnès war die erste einer langen Reihe königlicher Mätressen, die Einfluß auf die Politik nahmen, ein Vorgang, der so lange währte wie das französische Königtum.

„Die Jungfrau von Melun“: Agnès Sorel, die Mätresse von Karl VII., wird hier als Madonna dargestellt. Die Brust ist auf den Betrachter gerichtet, nicht auf das Kind, das gedankenverloren in eine andere Richtung blickt.
Jean Fouquet, „Maria mit Kind“, um 1450. Antverp, Koninklijk Museum voor Schone Kunsten

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