Kaurimuscheln

Auf einigen Südseeinseln ist es heute noch üblich, den Brautpreis mit Ketten aus Kaurimuscheln zu bezahlen. Ihr Wert entspricht etwa 40 australischen $.
Auch in diesem Fall handelt es sich um Erinnerungszeichen, wobei jedoch jede Muschel oder jede Kette mit einer bestimmten Anzahl Muscheln für eine bestimmte Schuld steht. Wieviel Ketten jemand besitzt ist nicht das Ausschlaggebende, sondern die Verträge, die dahinter stehen. Plantagenarbeiter, die mit Geld bezahlt wurden, konnten mit diesem Geld das Brautgeld nicht begleichen, sondern nur mit Muschelgeld.

Quelle: Richard Weinrich

Die Chinesen bieten die längste autonome Währungsentwicklung in Folge, die zudem noch gut dokumentiert ist. Die Kauri spielte als Geld eine so wichtige Rolle im alten China vor 2.100 vor Christus, daß ihr Piktogramm das Schriftzeichen für Geld wurde.

… Doch welche Archetypen verbinden sich mit der Kauri-Muschel an sich?

Die Kauri-Muschel mit ihrer vulvaartigen Form wird mit dem Wasser in Verbindung gebracht, in dem sie entsteht, und der Fruchtbarkeit, die dem Element Wasser innewohnt.

Traditionell wird sie mit sexueller Erfüllung, Wohlstand, Glück und Fruchtbarkeit assoziiert.

In Spanien kürzt man den gebräuchlichen weiblichen Vornamen „Concepción“ (wörtlich „Empfängnis“) immer noch mit „Conchita“ ab (wörtlich „kleine Muschel“, aber auch umgangssprachlich für das weibliche Sexualorgan).

Bei den Azteken hat der Mondgott Tecaciztecatl, dessen Name wörtlich übersetzt „der aus der Muschel“ bedeutet, als Hauptattribute den Geburts- und Zeugungsvorgang und wird durch eine Vulva repräsentiert.

Interessanterweise wird die Kauri-Muschel auch mit dem Tod in Verbindung gebracht, weil ihr „nützliches Leben“ als Währung nach dem Tod des ursprünglichen Bewohners beginnt.

So tritt die Kauri beispielsweise bereits in Begrägnisornamenten aus paläolitischer Zeit auf. Abbé Breuil erklärte ihr Vorkommen in Grabstätten wie folgt: „Sie verbindet den Tod mit den kosmologischen Prinzipien des Wassers, Mondes, Weiblichen und der Wiedergeburt in der Neuen Welt.“

Wir können auch eine etymologische Verbindung zwischen der Kauri-Muschel und dem Archetyp der weiblichen Fruchtbarkeit herstellen, indem wir einfach zu unserem bereits erwähnten „Kuhbeispiel“ zurückkehren:

Das englische Wort für „Kuh“, cow, stammt von dem Sanskritwort gau und dem ägyptischen kau. Diese stehen auch am Anfang der Worte gauri oder kauri, aus denen im Englischen cowrie wird.

Quelle: Bernhard A. Lietaer Mythos Geld – Emotionale Bedeutung und Wirkungsweise eines Tabus S. 53ff

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